Portal zur Geschichte der Sozialdemokratie

Grundlegende Zielsetzungen, methodisch - didaktische Überlegungen

Die Geschichtssequenz „Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die Haltung der deutschen Sozialdemokratie“ stellt – aus deutscher Perspektive – die Problematik in den Mittelpunkt, wie es zu diesem Krieg kam, wer und welche Kreise in Deutschland auf diesen Krieg (bewusst) hingearbeitet haben und welche Kräfte, wie z. B. die deutsche Sozialdemokratie, diesen Krieg einerseits zu verhindern suchten und ihn andererseits dann aber doch unterstützten.

Methodisch-didaktisch können in diesem Kontext verschiedene Kompetenzen erworben werden: Methodenkompetenz, Deutungs- und Reflexionsfähigkeit, Fähigkeit zur Konstruktion und Dekonstruktion sowie Urteilskompetenz. Zugleich soll der Erwerb von „Sachwissen“ im Zusammenhang mit einem problemorientierten Zugang zum Thema „Erster Weltkrieg“ – einem welthistorisch bedeutenden Ereignis – gefördert werden. Gerade bei der Diskussion um den Ausbruch des Krieges und bei der Analyse des Verhaltens der Sozialdemokraten kann, und das ist ein weiteres Anliegen, der Konstruktionscharakter von Geschichte (und Geschichtsschreibung) überzeugend deutlich gemacht werden.

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Der Erste Weltkrieg: Europa, Deutschland und die deutsche Sozialdemokratie

Im Jahr 2014 jährte sich zum 100. Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges (1914–1918). Nach wie vor ist dieser Krieg ein Schlüsselereignis, das den Verlauf des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst hat. Und immer noch wird er als Urkatastrophe des letzten Jahrhunderts bezeichnet. Deutschland verlor mit dem Friedensschluss von Versailles auf Jahre hinaus seine Großmachtstellung und der europäische Kontinent seine dominierende Position in der kulturellen, politischen und ökonomischen Weltarchitektur.

Der Erste Weltkrieg führte in vielen Teilen der Welt auf der einen Seite zu Krieg, Gewalt und Völkermord, aber auf der anderen Seite auch zu Frieden, Demokratie und beschleunigtem politischen, ökonomischen und kulturellen Wandel. Der Aufstieg der USA zur Weltmacht begann und ebenso der lange dauernde Prozess der Entkolonialisierung.

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Leitfragen zum Ausbruch des Kriegs und zur Haltung der deutschen Sozialdemokratie:

Wer wollte 1914 den Krieg? „Verrat an den Idealen“, „kluge Einsicht in die Notwendigkeiten“ oder ,,Opportunismus“? Welche Ziele verfolgte die (deutsche) Sozialdemokratie? Verrieten die Sozialisten ihre antimilitaristischen Ideale? Warum unterstützte die Sozialdemokratie die Finanzierung des Krieges? Wurde die Spaltung der Partei durch diesen Beschluss eingeleitet?

Leitfragen zur Betrachtung des Ersten Weltkriegs aus der heutigen Sicht:

Welche Folgen hatte der Krieg? Kann man für die Gegenwart daraus lernen? Was denken „die“ Deutschen heute über Kriegsausbruch und Sozialdemokratie? Wie steht die Sozialdemokratie heute zu Militarismus und Krieg? Afghanistan-Krieg und Erster Weltkrieg: Gibt es Verbindungslinien?

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Quellen zum Ersten Weltkrieg

„Kriegstreiber“: Nationalistische Eliten

Welche Bevölkerungsschichten und welche Eliten waren es, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonders am Krieg interessiert waren, ihn geradezu herbeisehnten, in ihm das letzte Mittel der Politik sahen oder aber ihm zumindest keinen energischen Widerstand entgegensetzten? Welche strukturellen und mentalen Voraussetzungen beförderten eine solche Haltung und welchen Einfluss besaßen sie im Deutschland der Vorkriegszeit?

„Friedensfreunde“: Die deutsche Sozialdemokratie

Seit ihrer Gründung im Jahre 1863 (ADAV) verstand sich die deutsche Sozialdemokratie als eine Interessenvertretung der Arbeiterklasse, trat zugleich aber auch für die politischen, sozialen und kulturellen Freiheiten aller Menschen ein. Speziell setzte sie sich – was das Feld Krieg und Frieden angeht – gegen Militarismus im Innern und für Frieden und internationale Solidarität im Äußern ein. Ihre elementaren Grundsätze galten mithin für die Innen- wie auch für die Außenpolitik.

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Forschungsdiskussion

Fast die gesamte deutsche Politik in der Weimarer Republik und auch nahezu geschlossen die damalige deutsche Historikerzunft versuchte den Vorwurf der deutschen Kriegsschuld (festgeschrieben im Paragrafen 231 des Versailler Friedensvertrages) zu entkräften. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich hingegen politisch und wissenschaftlich die Ansicht Bahn zu brechen, dass alle Nationen gewissermaßen in den Krieg „hineingeschlittert“ seien, mehr oder weniger Schuld trügen und man daher von einer Alleinschuld Deutschlands nicht mehr sprechen könne. Insbesondere konservative Historiker wie beispielsweise Gerhard Ritter, die sich in offenkundiger Opposition zum Nationalsozialismus befunden hatten, versuchten zumindest die Geschichte des Kaiserreiches anschlussfähig für die Bundesrepublik zu machen.

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Bezug zur Gegenwart

Fast einhundert Jahre sind seit Beginn des Ersten Weltkriegs vergangen. Die deutsche Sozialdemokratie hat sich in dieser Zeit von einer nicht akzeptierten Außenseiter- zu einer anerkannten demokratischen Volkspartei entwickelt. Sie war eine (wenn nicht gar die) tragende Kraft der ersten Demokratie in Weimar. Dies gilt in ähnlichem Maße für die Bundesrepublik. Die Sozialdemokratie hat nach 1945 einen starken Beitrag für die Entwicklung und Stabilisierung der Demokratie und die Entwicklung des Sozialstaats in der Bundesrepublik geleistet.

Die Frage, welche Position sie in diesem neuen Kontext zu einem ihrer zentralen Themen – „Krieg und Frieden“ – einnimmt und ob sie aus ihrem Verhalten im August 1914 etwas „gelernt“ hat, bleibt aber nach wie vor offen.

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