Portal zur Geschichte der Sozialdemokratie

Rechte: Stadtarchiv München

Quelle: Stadtarchiv München

Kohn, Elisabeth Dr. iur. 1, 7

Geboren:

* 11.02.1902 in München 7, 9

Gestorben:

+ 25.11.1941 in Kaunas/Litauen erschossen

Anschrift:

München, Loristr. ab 1914 7
München, Frundsbergstr. 8 ab 01.09.1939 7
München, Leopoldstr. 42 ab 18.07.1941 7
München, Rauchstr. 10 ab 11.11.1941 7
München, Landwehrstr. 6

Beruf:

Rechtsanwältin ab 1928 1

Kohn, Elisabeth Dr. iur.

Sozialdemokratische Anwältin, Mitglied der Gesellschaft Max Hirschbergs. 1941 wurde sie mit dem ersten Transport der Münchener Juden nach Kaunas verschleppt und dort ermordet.

Die promovierte Juristin Elisabeth Kohn gehörte zu den ersten drei Frauen, die als Rechtsanwältinnen in München zugelassen wurden. Sie war Mitglied der Sozietät von Max Hirschberg und vertrat u.a. die SPD, den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB), die „Münchener Post“ und die Liga für Menschenrechte.

Wegen ihrer jüdischen Herkunft erhielt sie im August 1933 Berufsverbot nach dem "Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft" vom 7.4.1933. Auf ihren Widerspruch hin wurde ihr u.a. mitgeteilt, sie sei jung und ledig und werde deshalb von der Zurücknahme der Zulassung nicht so empfindlich betroffen, dass diese eine Härte bedeute. Die enge Bindung an ihre Mutter hielt sie wie ihre Schwester in München, wo sie in der Fürsorgeabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde München arbeitete. 1940/41 war sie Hilfskonsulentin in der Praxis von Julius Baer. Über diese Tätigkeit schrieb sie am 30.3.1941 in einem Brief an Max Hirschberg: „Man zittert nur immer, dass Alles umsonst sein könnte. Es ist so ungeheuer wichtig, möglichst viele herauszubringen […] auch wegen der Zurückbleibenden. Die Platzfrage, Alles, wäre nicht so beängstigend, wenn es gelänge, in den nächsten Wochen einige hundert in Fahrt zu setzen“ (Weber, S. 135). Die antijüdische Gesetzgebung zwang die drei Frauen ab 1939 zu viermaligem Umzug. Hirschberg verschaffte ihr aus den USA noch ein Visum für Kuba, das sie wegen des Emigrationsverbots für Juden nicht mehr nutzen konnte. Sie gehörte mit Schwester und Mutter zu den Menschen jüdischer Herkunft, die als erste aus München und Süddeutschland verschleppt und nach Kaunas deportiert wurden, wo alle aus München mit dem Transport Angekommenen am 25.11.1941 erschossen wurden.

Politischer Werdegang und Funktion in der SPD

SPD 6

Verfolgung

Berufsverbot ab 05.08.1933 1
durch Entzug der Zulassung als Rechtsanwältin
Sie erhielt wegen ihrer jüdischen Herkunft nach dem "Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft" vom 07.04.1933 Berufsverbot. Ihr Gesuch, das Vertretungsverbot aufzuheben, wurde abgelehnt. Im Schreiben des Justizministeriums hieß es u.a.: "Sie ist jung und ledig und kann in irgendeinem Frauenberuf unterkommen." [1]
Deportation 1, 7, 8
von München/Deutschland nach Kaunas/Litauen am 25.11.1941
Zwar gelang es Hirschberg in den USA, für sie ein Visum für Kuba zu besorgen, das sie aber wegen des Emigrationsverbot für Juden vom 23.10.1941 nicht mehr nutzen konnte. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester gehörte sie zum ersten Deportationstransport von mehr als 1000 Menschen jüdischer Herkunft aus München und Süddeutschland, der nach Kaunas umgeleitet wurde. Dort wurden alle erschossen.In ihrem letzten Brief an Hirschberg vom 10.11.1941 schreibt sie:"Leider scheint über allen Hilfsbemühungen für uns das >Zu spät< als Motto zu stehen. Am Samstagnachmittag habe ich Weisung bekommen, mit Mutter und Schwester ab Dienstag fahrtbereit zu sein. Ich packe heute. […] Was aus uns werden wird, wer kann es ahnen. Sicher ist, dass es ein dunkler Weg ist, den wir zu begehen haben. Ob ich mit Euch Verbindung halten kann, bezweifle ich sehr. […] Ich bin sehr ruhig und nehme an, was das Schicksal mir aufladen will. […] Meine Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Euch gebe ich nicht auf. Man wird leben und wird versuchen, zu überstehen. Seid alle herzlichst umarmt und geküsst. Immer Eure Lisel." [1]

Weitere Daten

Religion/Konfession

israelitisch

Schadenskategorie
  • Schaden im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen
  • Schaden an Freiheit
Ehrung

Straßenname in München (Stadtbezirk: Schwabing - West) 2004 3, 4
Elisabeth-Kohn-Straße
"Denkzeichen" 2003 2
Mit dem "Denkzeichen" im Juristischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München wird an sie und die jüdischen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte erinnert, die in München verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden.

Quellenverweis

Weber, Schicksal

Weber, Reinhard: Das Schicksal der Jüdischen Rechtsanwälte in Bayern nach 1933. München 2006

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Institut für Kunst, Erinnerung

Institut für Kunst und Forschung: Erinnerung an Dr. Elisabeth Kohn

#http://www.judentum.net/geschichte/kohn.htm#

URL Datum LZ: letzter Zugriff am 13.10.2013
  • Quellenart: Internet-Veröffentlichungen
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Dollinger, Straßennamen

Dollinger, Hans: Die Münchner Straßennamen. 6. Aufl. München 2007

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

SZ

Süddeutsche Zeitung

  • Quellenart: Presse
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur
Anmerkungen: Sehr geehrte/r Frau/Herr ,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Da wir keine Rechercheaufträge annehmen, und unser Archiv erst ab 1992 digitalisiert ist, können Sie SZ-Beiträge vor 1992 online in einer nur sehr geringen Auswahl zurück bis 1951 über die kostenpf

StAM, Gestapo

Staatsarchiv München, Geheime Staatspolizei

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Heusler, Gedenkbuch

Heusler, Andreas: Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945 Bd. 1-2. München 2003. 2007

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

AIfZ, Fa

Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, Fotokopien aus anderen Archiven

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Walk, Kurzbiografien

Walk, Joseph: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918-1945. München/Wien 1988

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur