Portal zur Geschichte der Sozialdemokratie

Rechte: Bayerischer Landtag

Quelle: Bildarchiv Bayerischer Landtag

Auer, Erhard 13

Geboren:

* 22.12.1874 in Dommelstadel, BA Passau 1, 5, 9

Gestorben:

+ 20.03.1945 in Giengen a.d. Brenz, Lkr. Heidenheim

Anschrift:

München, Ganghoferstr. 56 (1933) 7, 12

Beruf:

Kaufmann 6
Geschäftsführer
Bayerischer Staatsminister
Chefredakteur

Auer, Erhard

Innenminister des Freistaats Bayern unter Kurt Eisner, Verfolgter SPD-Politiker in der NS-Zeit

Erhard Auer wurde als uneheliches Kind geboren und wuchs nach dem frühen Tod der Mutter als „Gemeindearmer“ auf. Vom Landarbeiter brachte er es nach einer kaufmännischen Ausbildung 1900 zum Offizianten bei der Münchner Ortskrankenkasse. Seit 1892 war er Mitglied der SPD. Auer gehörte von 1907 bis 1918 der Bayerischen Abgeordnetenkammer an. Vom 8.11.1918 bis 21.2.1919 amtierte er als Staatsminister des Inneren im Kabinett Kurt Eisner. Am Tag des Attentats auf Eisner (21.2.1919) wurde er bei Tumulten im Landtag angeschossen. Von 1918 bis 1933 war er Abgeordneter des Bayerischen Landtags und dort von 1920 bis 1933 Vizepräsident. 1919 vertrat er die Bayerische SPD in der Verfassunggebenden Nationalversammlung. Dem Münchener Stadtrat gehörte er von 1919 bis 1933 an. In dieser Zeit leitete er als Herausgeber und Chefredakteur die sozialdemokratische „Münchener Post“.

Am 26.4.1933 hatte die SPD-Fraktion im Münchner Stadtrat den Sitzungssaal verlassen, als über die Ernennung Hitlers zum Ehrenbürger beraten wurde. Die NSDAP sah darin eine „unverschämte Provokation“ und forderte bei der nächsten Sitzung am 9.5.1933 die Entfernung der sechs SPD-Stadträte aus dem Sitzungssaal. Diese Aufforderung setzten die NSDAP-Mitglieder gewalttätig um. Rudolf Bössl aus der SPD-Fraktion schilderte im September 1962, was sich in der Versammlung abspielte: „Ich habe heute noch das Bild vor meinen Augen, als zu Beginn der Sitzung hier in diesem Raum der ehemalige Innenminister Auer niedergeschlagen und an den Füßen durch die Mitte dieses Saales geschleift wurde, während die Nazibanditen die Spitzen ihrer Kommißstiefel in seinen Leib stießen, der durch die Schüsse im Landtag schwerst verletzt war“ („Süddeutsche Zeitung“, 20.9.1962). Auer wurde vom 22.5.1933 bis 3.6.1933 in „Schutzhaft“ genommen und erhielt anschließend Aufenthaltsverbot in München. Er zog nach Karlsruhe, wo er am 22.8.1944 von der Gestapo in Zusammenhang mit der „Aktion Gewitter“ aufgespürt, bei der nach dem Stauffenberg-Attentat reichsweit Tausende politische Gegner und deren Angehörige verhaftet wurden. Auer blieb die Haft wegen seines schlechten Gesundheitszustandes erspart, er starb am 20.3.1945.

Politischer Werdegang und Funktion in der SPD

SPD ab 1892 3
Leiter des Landessekretariats von 1900 bis 1908 3
Mitarbeiter des Vorsitzenden Georg von Vollmar
Geschäftsführer der SPD in Bayern von März 1908 bis August 1921 3
Bayerischer Staatsminister des Inneren im Kabinett Kurt Eisner vom 08.11.1918 bis 21.02.1919 3, 5, 9
Am Tag des Attentats auf Eisner (21.02.1919) kam es im Landtag zu schweren Tumulten;

dabei wurde Auer angeschossen.
Mitglied im Provisorischen Nationalrat Bayern für die Sozialdemokratische Fraktion von 1918 bis 1919 9
Mitglied der Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung von 1919 bis 1920 9, 16
Mitglied des Landtags (MdL) von 1907 bis 1933 3, 5,
1. Vizepräsident des Bayerischen Landtages von 1920 bis 1932 9, 22
2. Vizepräsident des Bayerischen Landtages von 1932 bis 1933 9, 22
Stadtrat von 1919 bis 11.07.1933 18, 22

4, 5
1. Vorsitzender der Bezirksleitung von Oberbayern und Schwaben von 1932 bis 1933 22

Verfolgung

Beschlagnahme des Verlages “Bayerisches Wochenblatt" 1933 9
Auer war Inhaber des Verlages.
Arbeitslosigkeit aus politischen Gründen 1933
Da er sich weigerte, die Selbstverpflichtung im Rahmen des Schriftleitergesetzes zu unterschreiben, konnte er nicht mehr als Journalist arbeiten.
Entzug der Unfallrente 1933 9
Er hatte nach dem Attentat im Landtag 1919 eine Unfallrente bezogen.
Schwere Misshandlung am 09.05.1933 8, 14
Sechs der acht Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion hatten bei der ersten Sitzung des neu bestimmten Stadtrats am 26.04.1933 den Saal verlassen, als die nationalsozialistische Stadtratsmehrheit die Ernennung Hitlers und Franz von Epps zu Münchner Ehrenbürgern vollzog. Zu Beginn der nächsten Sitzung am 09.05.1933 bezeichnete der Nationalsozialist Max Amann dies als "unverschämte Provokation" und forderte die sozialdemokratische Fraktion auf, aus dem Stadtrat zu verschwinden. Die NSDAP-Fraktion setzte diese Forderung um und drängte die SPD-Vertreter mit Brachialgewalt aus dem Sitzungssaal.
Verhaftung am 22.05.1933 9, 19
Verhaftung von SPD-Stadträten und -Stadtratskandidaten
Schutzhaft 9, 19
Gefängnis der Polizeidirektion München, Ettstraße vom 22.05.1933 bis 26.05.1933
Gefängnis München-Stadelheim vom 26.05.1933 bis 03.06.1933
Verlust des Stadtratsmandats am 11.07.1933 18, 20
Aufenthaltsverbot in München ab Ende 1933 9
Umzug nach KarlsruheAm 22.08.1944 wurde er von der Gestapo in Zusammenhang mit der "Aktion Gewitter" in Karlsruhe aufgespürt, wegen schlechten Gesundheitszustandes aber nicht verhaftet.

Weitere Daten

Religion/Konfession

röm.-katholisch

Schadenskategorie
  • Schaden im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen
  • Schaden an Eigentum und Vermögen
  • Schaden an Freiheit
  • Schaden an Körper und Gesundheit
Ehrung

Straßenname in München (Stadtbezirk: Neuhausen - Nymphenburg) 1947 5
Erhard-Auer-Straße

Quellenverweis

Gerstenberg, Freiheit

Gerstenberg, Günther: Freiheit! Sozialdemokratischer Selbstschutz im München der zwanziger und frühen dreißiger Jahre Bd. 1-2. Andechs 1997

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Schröder, Parlamentarier

Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867 - 1933. Biographien - Chronik - Wahldokumentation. Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 7. Düsseldorf 1995

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Dollinger, Straßennamen

Dollinger, Hans: Die Münchner Straßennamen. 6. Aufl. München 2007

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Kral, Landespolitik

Kral, Herbert: Die Landespolitik der SPD in Bayern von 1924 - 1933. Miscellanea Bavarica Monacensia Bd. 134. München 1985

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

StAM, Gestapo

Staatsarchiv München, Geheime Staatspolizei

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

StAM, PolDir

Staatsarchiv München, Polizeidirektion

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Bayerischer Landtag, Opfer

Bayerischer Landtag/Haus der Bayerischen Geschichte/Institut für Zeitgeschichte: Opfer und Verfolgte des NS-Regimes aus Bayerischen Parlamenten

http://www.bayern.landtag.de/opfer_doku/web_gedenk_v2/#http://www.bayern.landtag.de/opfer_doku/web_gedenk_v2/#

URL Datum LZ: letzter Zugriff am 09.10.2013
  • Quellenart: Internet-Veröffentlichungen
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

SPD Stadtratsfraktion, 100 Jahre

SPD-Stadtratsfraktion (Hrsg.): 100 Jahre SPD im Münchner Rathaus. München 1994

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Scheibmayr, Heimat

Scheibmayr, Erich: Letzte Heimat. Persönlichkeiten in Münchner Friedhöfen 1784 - 1984. München 1985

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Münchner Stadtadreßbuch

Münchner Stadtadreßbuch. Adreßbuch der Landeshauptstadt München Bd. 83 ff. München 1933 ff.

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur
Anmerkungen: in Monacensia, Theresienstr. 23

Lotterschmid, Auer

Lotterschmid, Michael/Mehringer Hartmut: Erhard Auer ? ein bayerischer Sozialdemokrat. In: Mehringer, Hartmut (Hrsg.): Von der Klassenbewegung zur Volkspartei. Wegmarken der bayerischen Sozialdemokratie 18. München/Wien 1992, S. 138 ? 150

  • Quellenart: Sammelwerke
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

MB/VB

Münchener Beobachter (Lokalbeilage des Völkischen Beobachters)

  • Quellenart: Presse
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Bureau, Handbuch Nationalversammlung

Bureau des Reichstags (Hrsg.): Handbuch der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung Weimar 1919. Berlin 1919

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Steinborn, Grundlagen

Steinborn, Peter: Grundlagen und Grundzüge Münchener Kommunalpolitik in den Jahren der Weimarer Republik. Zur Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt im 20. Jahrhundert. Miscellanea Bavarica Monacensia Bd. 5. München 1968

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

StAM, PolDir

Staatsarchiv München, Polizeidirektion

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

MGZ

Münchener Gemeinde-Zeitung

  • Quellenart: Presse
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

StadtAM, Ratssitzungsprotokolle

Stadtarchiv München, Ratssitzungsprotokolle

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

HdBG, Geschichte

Haus der Bayerischen Geschichte: Geschichte des Bayerischen Parlaments seit 1819

#http://www.hdbg.de/parlament/content/index.html#

URL Datum LZ: letzter Zugriff am 09.10.2013
  • Quellenart: Internet-Veröffentlichungen
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

SZ

Süddeutsche Zeitung

  • Quellenart: Presse
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur
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