Portal zur Geschichte der Sozialdemokratie

Bössl, Rudolf

Geboren:

* 09.06.1899 in München 9

Gestorben:

+ 06.10.1971 in München

Anschrift:

München, Pilarstr. 3 (1933) 7

Beruf:

Angestellter
Verwaltungsoberinspektor
Stadtdirektor 3, 9

Bössl, Rudolf

Mitglied von Reichsbanner und Eiserner Front, Verfolgter Münchner Stadtrat der SPD, nach 1945 erneut Münchner Stadtrat von 1946 bis 1966

Mit 17 Jahren trat Rudolf Bössl ins Berufsleben ein und arbeitete bei der Stadt München, zunächst als Angestellter, ab 1921 als Beamter. 1925 wurde er Mitglied der SPD. 1926 wurde Bössl zum Sektionsführer im Stadtteil Neuhausen gewählt, 1931 in Nymphenburg. Ab 1929 war er Mitglied des Reichsbanners, ab 1932 in der Eisernen Front. Im März 1933 amtierte er als Mitglied des Münchner Stadtrats, der bis Mitte Juli 1933 gleichgeschaltet wurde. Am 9.5.1933 wurden die noch nicht verhafteten SPD-Stadträte (ausgenommen Therese Übelhör) von den Nationalsozialisten aus dem Sitzungssaal geprügelt, wobei der frühere Innenminister Erhard Auer schwer misshandelt wurde. Die SPD-Stadträte wurden am 22.5.1933 ins Gefängnis des Polizeipräsidiums eingeliefert und tags darauf ins KZ Dachau überführt, wo Bössl bis zum 13.12.1933 festgehalten wurde. Am 11.10.1933 wurde er aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem städtischen Dienst entlassen. Das bayerische Innenministerium wies seinen Einspruch vom 19.11.1933 am 3.1.1934 ab, ebenso ein Gesuch um Wiedereinstellung vom 29.9.1934 sowie eine Eingabe vom 12.8.1940. Bössl wurde 1939 zur Wehrmacht eingezogen, in der er bis zu seiner Gefangennahme durch die amerikanischen Streitkräfte 1945 diente.

Von 1946 bis 1956 war er Stadtdirektor im Kreisverwaltungsreferat München, zwischen 1948 und 1956 Korreferent des Personalreferats und Mitglied des Personalausschusses sowie des Revisions- und Rationalisierungsausschusses. Als Stadtrat gehörte er von 1946 bis 1966 der SPD-Fraktion im Münchner Rathaus an.

Politischer Werdegang und Funktion in der SPD

SPD ab 1925 1,2,5
Vorsitzender Sektion München - Neuhausen ab 1925 1, 2, 5
Vorsitzender Sektion München - Nymphenburg ab 1931 1, 2
Stadtrat von April 1933 bis 11.07.1933 3

Werdegang in der SPD nach 1945

SPD
Stadtrat von 1946 bis 1966 9

Verfolgung

Schwere Misshandlung am 09.05.1933 1, 6, 11, 13
Sechs der acht Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion hatten bei der ersten Sitzung des neu bestimmten Stadtrats am 26.04.1933 den Saal verlassen, als die nationalsozialistische Stadtratsmehrheit die Ernennung Hitlers und Franz von Epps zu Münchner Ehrenbürgern vollzog. Zu Beginn der nächsten Sitzung am 09.05.1933 bezeichnete der Nationalsozialist Max Amann dies als "unverschämte Provokation" und forderte die sozialdemokratische Fraktion auf, aus dem Stadtrat zu verschwinden. Die NSDAP-Fraktion setzte diese Forderung um und drängte die SPD-Vertreter mit Brachialgewalt aus dem Sitzungssaal.
Verhaftung am 22.05.1933 10, 13
Verhaftung von SPD-Stadträten und -Stadtratskandidaten
Schutzhaft 4, 5, 10, 13, 14
Gefängnis der Polizeidirektion München, Ettstraße vom 22.05.1933 bis 23.05.1933
KZ Dachau vom 23.05.1933 bis 13.12.1933
Häftlingsnummer 1999
Aus dem KZ Dachau richtete Bössl am 4.06.1933 per Postkarte folgende Aufforderung an OB Fiehler:"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister. Da ich mich auf unabsehbare Zeit im Konzentrationslager Dachau befind, erlaube ich mir, Sie zu bitten, veranlassen zu wollen, dass mir die Gemeindezeitung (ab Beginn der Wahlperiode) laufend sowie sonstige Mitteilungen nach hier übermittelt werden. Meine Adresse lautet: K.L. Dachau III/3." [14]
Verlust des Stadtratsmandats am 11.07.1933 12, 13, 14, 15
Entlassung aus politischen Gründen nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (GWB) am 11.10.1933 1, 2, 9, 16
Aus dem Schreiben des Innenministeriums vom 26.09.1933 zur Entlassung aus dem städtischen Dienst: "Bößl hat sich mit den anderen Mitgliedern der sozialdemokratischen Stadtratsfraktion bei der Ehrung des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsstatthalter in Bayern im Mai d. Js. aus dem Sitzungssaal entfernt. Er hat sich auch nach dem Verbot der SPD in einem Brief vom 23.6.33 an Oberbürgermeister Fiehler als Vertreter des Marxismus bekannt, der Pflichten gegenüber seinen Wählern zu erfüllen habe." [2]Sein Einspruch vom 19.11.1933 wurde am 03.01.1934 vom Innenministerium abgewiesen, ebenso ein Gesuch um Wiedereinstellung vom 29.09.1934 (abgewiesen am 30.11.1934) und eine Eingabe vom 12.08.1940 (abgewiesen am 05.04.1941). [16]

Weitere Daten

Schadenskategorie
  • Schaden im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen
  • Schaden an Freiheit
  • Schaden an Körper und Gesundheit
Quellenverweis

Gerstenberg, Freiheit

Gerstenberg, Günther: Freiheit! Sozialdemokratischer Selbstschutz im München der zwanziger und frühen dreißiger Jahre Bd. 1-2. Andechs 1997

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

BayHStA, RS

Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Reichsstatthalter Epp

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Graf, Leben

Graf, Otto/Graf, Wolfgang: Leben in bewegter Zeit 1900 - 2000. Schriftenreihe des Archivs der Münchner Arbeiterbewegung Bd. 5. München 2003

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

KZ-Gedenkstätte Dachau, Häftlingsdatenbank

KZ-Gedenkstätte Dachau, Häftlingsdatenbank

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

BayHStA, LEA

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Landesentschädigungsamt

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

StAM, PolDir

Staatsarchiv München, Polizeidirektion

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Münchner Stadtadreßbuch

Münchner Stadtadreßbuch. Adreßbuch der Landeshauptstadt München Bd. 83 ff. München 1933 ff.

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur
Anmerkungen: in Monacensia, Theresienstr. 23

StadtAM, BuR

Stadtarchiv München, Bürgermeister und Rat

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

StAM, PolDir

Staatsarchiv München, Polizeidirektion

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

MB/VB

Münchener Beobachter (Lokalbeilage des Völkischen Beobachters)

  • Quellenart: Presse
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

StadtAM, Ratssitzungsprotokolle

Stadtarchiv München, Ratssitzungsprotokolle

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Steinborn, Grundlagen

Steinborn, Peter: Grundlagen und Grundzüge Münchener Kommunalpolitik in den Jahren der Weimarer Republik. Zur Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt im 20. Jahrhundert. Miscellanea Bavarica Monacensia Bd. 5. München 1968

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Hanko, Kommunalpolitik

Hanko, Helmut: Kommunalpolitik in der "Hauptstadt der Bewegung" 1933 - 1935. Zwischen "Revolutionärer" Umgestaltung und Verwaltungskontinuität. In: Broszat, Martin/ Fröhlich, Elke/ Grossmann, A: Bayern in der NS-Zeit Bd. 3. Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, Teil. München, Wien 1981, S. 329 - 441

  • Quellenart: Sammelwerke
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

MGZ

Münchener Gemeinde-Zeitung

  • Quellenart: Presse
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

BayHStA, MInn

Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Staatsministerium des Inneren

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

SZ

Süddeutsche Zeitung

  • Quellenart: Presse
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur
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