Portal zur Geschichte der Sozialdemokratie

Rechte: Rechteinhaber_in nicht ermittelbar

Quelle: BayHStA, LEA 7569

Branz, Gottlieb 1

Geboren:

* 13.09.1896 in München 4

Gestorben:

+ 20.09.1972 in München

Anschrift:

München, Aignerstr. 26 d (1933) 2, 8

Beruf:

Bibliothekar 1
Vertreter ab Ende 1933 4
Direktor

Branz, Gottlieb

Verfolgtes SPD-Mitglied, Leiter der Münchner Gruppe von „Neu Beginnen“, Mitglied des ersten Münchner Stadtrats nach 1945

1911 wurde Gottlieb Branz SPD-Mitglied. Seit 1920 arbeitete er als Bibliothekar im Gewerkschaftshaus Pestalozzistr. 40/42, bis die SA am 9.3.1933 das Haus überfiel. Er war am 30.6.1933 unter den leitenden SPD-Mitgliedern, die bayernweit in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ Dachau verbracht wurden. Im Oktober 1933 wurde er aus dem KZ entlassen. Er war Leiter eines der drei Münchner Stützpunkte der Untergrundorganisation „Neu Beginnen“, einer von SPD- und KPD-Mitgliedern im Exil gegründeten Widerstandsgruppe. Für diese Tätigkeit hatte ihn Waldemar von Knoeringen gewonnen, mit dem er sich wiederholt in dessen Exil in der Tschechoslowakei traf. Schwerpunkte der illegalen Arbeit waren Schulung, Aufbau einer Organisation und Kurierdienste. In München hatte er Kontakte zu den „Revolutionären Sozialisten“ um Johann Fried. Zusammen mit seiner Frau verhalf er 1934 Berthold Feuchtwanger, Mitglied der Widerstandsgruppe um Anton Aschauer, zur Flucht in die Tschechoslowakei. Branz wurde am 3.1.1939 verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat am 7.9.1939 zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, verbüßt durch Untersuchungshaft. Unmittelbar danach kam er erneut in „Schutzhaft“ im KZ Buchenwald, wo er von 1939 bis 1945 inhaftiert war.

Er gehörte zu den Persönlichkeiten, die 1945 in den ersten Münchner Stadtrat berufen wurden. 1946 wurde er erneut gewählt und gehörte bis 1956 der SPD-Fraktion im Stadtrat an.

Politischer Werdegang und Funktion in der SPD

SPD ab 1911 1
Vorsitzender Sektion München - Obergiesing ab 1912 1
Vorsitzender Sektion München - Gasteig ab 1924 5
Vorsitzender Sektion München - Obergiesing I ab 1929 1, 2, 5, 13

Werdegang in der SPD nach 1945

SPD
Stadtrat von 1945 bis 1956 1, 9, 10
Branz gehörte zu den Persönlichkeiten, die in den ersten Münchner Stadtrat 1945 berufen wurden. In den nachfolgenden Wahlperioden wurde er wieder in den Stadtrat gewählt.

Verfolgung

Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund der Auflösung der Gewerkschaften im Mai 1933
Schutzhaft 6, 7
Verhaftungsaktion gegen führende SPD-Mitglieder
Gefängnis der Polizeidirektion München, Ettstraße am 30.06.1933
KZ Dachau vom 30.06.1933 bis Oktober 1933
Häftlingsnummer 2320
Erneute Verhaftung 1, 3
Gefängnis München-Corneliusstraße ab 03.01.1939
Prozess
Oberlandesgericht München
Anklage vom 12.07.1939: Vorbereitung zum Hochverrat
Urteil vom 07.09.1939
Strafmaß: Gefängnis 7 Monate
verbüßt durch Untersuchungshaft
Erneute Schutzhaft 1
Unabhängig von der Strafverbüßung wurde Branz erneut in Schutzhaft genommen.
KZ Buchenwald von 1939 bis 1945

Weitere Daten

Schadenskategorie
  • Schaden im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen
  • Schaden an Freiheit
Quellenverweis

Gerstenberg, Freiheit

Gerstenberg, Günther: Freiheit! Sozialdemokratischer Selbstschutz im München der zwanziger und frühen dreißiger Jahre Bd. 1-2. Andechs 1997

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

StAM, Gestapo

Staatsarchiv München, Geheime Staatspolizei

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

StAM, GenStanw

Staatsarchiv München, Generalstaatsanwaltschaft

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Mehringer, Sozialdemokratie

Mehringer, Hartmut: Die Bayerische Sozialdemokratie bis zum Ende des NS-Regimes. Vorgeschichte, Verfolgung und Widerstand. In: Broszat, Martin/Mehringer, Hartmut (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit Bd. 5. Die Parteien KPD, SPD, BVP in Verfolgung und Widerstand. München/Wien 1983, S. 287 ? 432

  • Quellenart: Sammelwerke
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

StAM, Gestapo

Staatsarchiv München, Geheime Staatspolizei

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

StAM, PolDir

Staatsarchiv München, Polizeidirektion

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

BayHStA, LEA

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Landesentschädigungsamt

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Münchner Stadtadreßbuch

Münchner Stadtadreßbuch. Adreßbuch der Landeshauptstadt München Bd. 83 ff. München 1933 ff.

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur
Anmerkungen: in Monacensia, Theresienstr. 23

StadtAM, BuR

Stadtarchiv München, Bürgermeister und Rat

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

SPD Stadtratsfraktion, 100 Jahre

SPD-Stadtratsfraktion (Hrsg.): 100 Jahre SPD im Münchner Rathaus. München 1994

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

BLFA LEA

Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

BLFA LEA, BEG

Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt, Bundesentschädigungsgesetz

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

AMA, SPD-Geschäftsberichte

Archiv der Münchner Arbeiterbewegung, Geschäftsberichte der Münchner SPD

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Mehringer, Knoeringen

Mehringer, Hartmut: Waldemar von Knoeringen - eine politische Biographie. Der Weg vom revolutionären Sozialismus zur sozialen Demokratie. Schriftenreihe der Georg-von-Vollmar-Akademie Bd. 2. München/Wien 1989

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Asgodom, Maul

Asgodom, Sabine (Hrsg.): "Halt´s Maul - sonst kommst nach Dachau!" Frauen und Männer aus der Arbeiterbewegung berichten über Widerstand und Verfolgung unter dem Nationalsozialismus. Köln 1983

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur