Portal zur Geschichte der Sozialdemokratie

Faltner, Franz

Geboren:

* 17.12.1901 in München 8

Gestorben:

+ 06.09.1981 in München

Anschrift:

München, Wollanistr. 4 (1934) 10

Beruf:

Schreiner 7
Reichsbahnarbeiter

Faltner, Franz

Mitglied in SPD, Reichsbanner und Eiserner Front, Gründer der Widerstandsgruppe „Rote Rebellen“. Verhaftung 1935, Gefängnis und Zuchthaus bis 1945.

Franz Faltner war Mitglied in SPD, Reichsbanner und Eiserner Front. Er baute mit ehemaligen Reichsbannerleuten, Sportlern verbotener Turnvereine und mit seinen beruflichen Kontakten bei der Reichsbahn die „Roten Rebellen“ auf, deren zentrale Figur er war. Die Gruppe unterhielt einen Kurierdienst mit der Sopade (Exil-SPD) in der Tschechoslowakei, versorgte diese mit Berichten zur politischen, wirtschaftlichen und militärischen Lage und bezog von der Sopade Material, das sie in München zum Teil unter hohem Risiko verteilte. Die „Roten Rebellen“ hinterließen Flugblätter in Werbeprospekten vor Geschäften, schickten sie an stadtbekannte Persönlichkeiten und legten sie bei einem Fußballspiel im Stadion an der Grünwalder Straße aus. Einer der Kuriere war jedoch Spitzel der Bayerischen Politischen Polizei (BPP), durch dessen Berichte die Gruppe aufflog. Faltner wurde auf der Reise zu einem Grenzsekretariat der Sopade am 27.4.1935 an der Grenze verhaftet. Er war vom 27.4.1935 bis zum 18.2.1937 im Gefängnis München-Stadelheim inhaftiert, dann bis zum 24.3.1937 in Berliner Gefängnissen (Moabit und Plötzensee). Am 22.12.1936 wurde er gemeinsam mit Josef Michael Feuerer vor dem Volksgerichtshof Berlin angeklagt: Er habe ein hochverräterisches Unternehmen vorbereitet, um mit Gewalt oder Gewaltandrohung die Verfassung des Reichs zu ändern durch Herstellen und Aufrechterhalten eines organisatorischen Zusammenhalts, Beeinflussung der Massen durch Verbreitung von Schriften, Einfuhr von Schriften aus dem Ausland mit dem Zweck, sie im Inland zu verbreiten, durch Verabredung eines Sprengstoffanschlags auf den Münchner Hauptbahnhof und durch Verrat von Staatsgeheimnissen. Ebenfalls mit angeklagt war Franz Weber, der als Gefangener auf dem Transport von München nach Berlin in der Nähe von Halle unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Das Urteil vom 24.3.1937 lautete: Zehn Jahre Zuchthaus abzüglich 22 Monate Untersuchungshaft und zehn Jahre Ehrverlust. Die Haft verbüßte er in Berlin-Plötzensee, Amberg, Kaisheim und Landsberg, wo er am 2.6.1945 entlassen wurde.

Nach seiner Befreiung war Faltner in der zweiten Jahreshälfte 1945 wieder für die Deutsche Reichsbahn tätig. Er wurde Chef der Bahnpolizei für Oberbayern.

Politischer Werdegang und Funktion in der SPD

SPD ab 1928 4

Verfolgung

Schutzhaft 6, 7, 8
aufgrund einer Denunziation
Gefängnis der Polizeidirektion München, Ettstraße vom 20.04.1933 bis 24.04.1933
Faltner wurde aufgrund der Denunziation eines Betriebszellenleiters von einer SA-Einheit am Arbeitsplatz verhaftet und in Schutzhaft genommen. Er soll im März 1933 gegenüber einem Arbeitskollegen gesagt haben: wir lassen jetzt die Nazis ran, dann kommen wir, und nachher fotzen wir sie so lange, bis sie die Internationale können.Entlassung aus der Schutzhaft mit dem Vermerk, eine strafbare Handlung liege nicht vor.
Verhaftung durch die BPP am 27.04.1935 3
in Bayrisch Eisenstein vor dem Grenzübertritt in die Tschechoslowakei
Untersuchungshaft 5, 7, 8, 9
Gefängnis München-Stadelheim vom 27.04.1935 bis 18.02.1937
Gefängnis Berlin-Moabit vom 18.02.1937 bis 21.03.1937
Zuchthaus Berlin-Plötzensee vom 21.03.1937 bis 24.03.1937
Prozess
Volksgerichtshof Berlin
gegen Faltner, Josef Feuerer und Franz Weber
Anklage vom 22.12.1936: Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens
Faltner habe vom Frühjahr 1933 bis Ende April 1935 teilweise gemeinschaftlich in München und im Ausland (Eger) Hochverrat vorbereitet, mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt die Verfassung des Reichs zu ändern durch- Herstellung und Aufrechterhaltung eines organisatorischen Zusammenhalts,- Beeinflussung der Massen durch Verbreitung von Schriften,- Einführung von Schriften aus dem Ausland mit dem Zweck der Verbreitung im Inland.- Verabredung eines Sprengstoffanschlags,- Verrat von Staatsgeheimnissen.Faltner habe schon bald nach der nationalen Erhebung begonnen, den Zusammenhalt unter seinen Reichbanner-Kameraden sowie früheren SPD-Anhängern wiederherzustellen und so allmählich eine größere illegale SPD-Organisation in München zu schaffen. Durch Josef Lampersberger jun. habe er illegales Schriftmaterial aus der Tschechoslowakei bezogen, das er in München vertrieb bzw. an seine Gesinnungsgenossen zur Verbreitung weiterleitete. Ferner habe er Berichte wirtschaftlichen, politischen, rüstungspolitischen Inhalts und militärische Nachrichten, z.T. Staatsgeheimnisse, an Lampersberger nach Eger gesandt. Schließlich hätten beide einen Sprengstoffanschlag auf den Münchner Hauptbahnhof verabredet. [7] Die Aktionen der Gruppe wurden durch den Mitropa-Angestellten Georg Huber an die BPP verraten, für die er als Spitzel tätig war. Lampersberger hatte Huber als Kurier eingesetzt; dieser nahm aktiv an den Widerstandshandlungen teil und hatte Faltners Vertrauen.
Urteil vom 24.03.1937: Verbrechen der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens
Strafmaß: Zuchthaus 10 Jahre
abzüglich 22 Monate Untersuchungshaft und
Ehrverlust 10 Jahre
Strafhaft 4, 5, 7, 8
Zuchthaus Berlin-Plötzensee vom 24.03.1937 bis 20.04.1937
Zuchthaus Amberg vom 20.04.1937 bis 11.11.1942
Zuchthaus Kaisheim vom 11.11.1942 bis 23.04.1945
Gefängnis Landsberg a. Lech vom 23.04.1945 bis 02.06.1945
Faltner wurde nicht unmittelbar bei der Befreiung des Gefängnisses Landsberg durch die US-Truppen als politischer Häftling entlassen, sondern auf Weisung eines US-Majors noch einbehalten. Das lag vermutlich daran, dass mehr als 20 ausländische Mithäftlinge sich über ihn beschwert hatten: Als Kapo beim Arbeitseinsatz habe er sie schikaniert und als Zimmerältester bei der Essensverteilung ungerecht behandelt. Am 02.06.1945 wurde er schließlich entlassen.
Gesundheitliche Schäden 8

Weitere Daten

Schadenskategorie
  • Schaden an Freiheit
  • Schaden an Körper und Gesundheit
Quellenverweis

AdsD, Emigration/Sopade

Archiv der sozialen Demokratie, Emigration/Sopade

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

StAM, JVA Landsberg

Staatsarchiv München, Justizvollzugsanstalt Landsberg

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

StAM, JVA München

Staatsarchiv München, Justizvollzugsanstalt München

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Mehringer, Sozialdemokratie

Mehringer, Hartmut: Die Bayerische Sozialdemokratie bis zum Ende des NS-Regimes. Vorgeschichte, Verfolgung und Widerstand. In: Broszat, Martin/Mehringer, Hartmut (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit Bd. 5. Die Parteien KPD, SPD, BVP in Verfolgung und Widerstand. München/Wien 1983, S. 287 ? 432

  • Quellenart: Sammelwerke
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Bretschneider, Widerstand

Bretschneider, Heike: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in München 1933-1945. Miscellanea Bavarica Monacensia Bd. 4. München 1968

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

BLFA LEA

Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

BLFA LEA, EG

Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt, Entschädigungsgesetz

  • Quellenart: Archivalien
  • Status: Unveröffentlichte Quellen

Mehringer, Widerstand

Mehringer, Hartmut: Widerstand und Emigration. Das NS-Regime und seine Gegner. München 1997

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Zarusky/Mehringer, Widerstand

Zarusky, Jürgen/Mehringer, Hartmut: Widerstand als "Hochverrat" 1933 - 1945. Die Verfahren gegen deutsche Reichsangehörige vor dem Reichsgericht, dem Volksgerichtshof und dem Reichskriegsgericht. Mikrofiche-Edition und Erschließungsband. München 1994, 1998

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur

Münchner Stadtadreßbuch

Münchner Stadtadreßbuch. Adreßbuch der Landeshauptstadt München Bd. 83 ff. München 1933 ff.

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur
Anmerkungen: in Monacensia, Theresienstr. 23

Weißbuch

Weißbuch der deutschen Opposition. Gegen die Hitlerdiktatur. o.O. o.J.

  • Quellenart: Bücher und Broschüren
  • Status: Veröffentlichte Quellen und Literatur